Das Projekt

Warum es diesen Skill gibt

Ein Projekt aus der Freizeit, seit 2020, ohne Einnahmen und ohne Auftrag. Hier steht, wie es dazu kam, wer es pflegt und wo die Grenzen liegen.

Wie es anfing

Die Menschen wollen nicht pro Sender suchen. ARD, ZDF, ARTE, 3sat, die dritten Programme: jede Mediathek hat ihre eigene App und ihre eigene Suche, und wer nicht weiß, wo ein Film liegt, sucht sie der Reihe nach durch. Das war 2020 mühselig und ist es bis heute. Eine Suche über alle Mediatheken gab es damals schon, MediathekView, aber keine, die man mit der Stimme bedient. Ich wollte einen Satz sagen und den Film sehen. Also habe ich den Skill gebaut, in der Freizeit, und nutze ihn seitdem selbst. Dieser Bedarf wird bis heute nur unzureichend bedient.

Was die Nutzerinnen und Nutzer daraus gemacht haben

Kurz nach dem Start kamen die ersten Rückmeldungen, und einige kamen von blinden und sehbehinderten Menschen. Sie fragten nach einer Bedienung ganz ohne Bildschirm, auf dem Echo Dot, und nach Hörfassungen. Erst dadurch ist mir klar geworden, wofür ein Sprachassistent wirklich gut ist: Eine Stimme braucht keine Fernbedienung, keine App und kein Menü. Vieles, was auf einem Bildschirm eine Barriere ist, verschwindet, wenn man es sagen kann.

Seit September 2020 läuft der Skill deshalb auch auf dem Echo Dot ohne Bildschirm, arbeitet mit dem Bildschirmleser VoiceView zusammen und findet Hörfassungen ohne doppelte Treffer. Die Barrierefrei-Seite beschreibt das für jede Situation. Eine Rezension aus dem Skill Store von damals sagt, worum es geht:

„Für mich als blinder Mensch ist dieser Skill sogar noch wertvoller. Er bietet mir einen uneingeschränkt barrierefreien Zugang zu den Mediatheken mittels Sprachassistenz, vorallem auch zu denen mit Audiodeskription (Bildbeschreibung).“

Rezension vom 12. September 2020, amazon.de

Seit 2020

  1. Der erste Stand von „Meine Mediathek“: eine Suche über alle Mediatheken, per Stimme, mit Sortierung nach Datum und Länge. Die Suche nach „Hörfassung“ und „Gebärdensprache“ ist von Anfang an dabei, aber zugegeben mehr aus Zufall. Woche für Woche kommen neue Funktionen dazu.
  2. Ich bekomme Post: Auf Wunsch sehbehinderter Nutzerinnen und Nutzer läuft der Skill nun auch auf dem Echo Dot ohne Bildschirm, und der Bildschirmleser VoiceView liest die Ergebnisseite vor. „Hörfassung“ findet jetzt auch „Audiodeskription“, ohne doppelte Treffer. Dazu der Fire TV. Online Magazine wie ifun.de, Caschys Blog, mobiFlip und andere berichten.
  3. HouseControllers wählt den Skill zum besten im Bereich Unterhaltung. Die Episodensuche kommt dazu („Folge 4000“). Die Domain wird registriert. Eine allererste Fassung dieser Webseite geht online.
  4. Zuwachs: Die fünf Geschwister: Krimizeit, Raumzeit, Naturzeit, Rosenzeit und ShowTime gehen live, jeder mit eigenem Thema.
  5. Das Sprachmodell wird neu aufgebaut. Der Start wird überarbeitet: Geräte mit alter Software und runde Bildschirme bekommen einen Hinweis statt einer leeren Seite.
  6. Pflege: Die Skills folgen fortlaufend den neuen Fassungen der Alexa-Darstellungstechnik APL und nutzen deren Möglichkeiten, um die Bedienung zu verbessern. Verbesserte Benutzerführung und Fehlerbehandlung bei instabilen Streams und Suchfehlern. Die Anwendung soll Spaß machen.
  7. Ein neues Farbschema: Jeder Skill bekommt eigene Farben und mehr Identität. Die Ergebnisseite wird neu aufgebaut, mit Info-Box und einer Fokusfarbe für die Fernbedienung des Fire TV.
  8. Feinschliff: Neue Funktionen, Features. Die Unterstützung von Fire TV und Fernbedienung wird von Nebensache zur Hauptsache.
  9. Der große Umbau: dunkle Seiten mit starkem Kontrast, neue Ergebnisseite, eigener Player, Weiterschauen über Geräte hinweg, „zuletzt gesehen“, die Tasten der Fire-TV-Fernbedienung, ein Emblem für jeden Skill.

Dank

Ohne MediathekView und MediathekViewWeb gäbe es diesen Skill nicht. Das Projekt MediathekView sammelt seit vielen Jahren, was in den Mediatheken steht, und MediathekViewWeb macht diese Liste durchsuchbar. Beides entsteht ehrenamtlich und steht allen offen. Jede Suche in diesem Skill ist eine Anfrage an MediathekViewWeb. Ich bin den Entwicklerinnen und Entwicklern dieser beiden Projekte sehr dankbar.

Die Filme, Bilder und Beschreibungen stammen von den öffentlich-rechtlichen Sendern. Der Skill spielt sie direkt von deren Servern ab und verändert nichts daran.

Wo die Grenzen liegen

Der Skill kann nur finden, was die öffentlich verfügbare Suche kennt. Und die kennt kein Merkmal „barrierefrei“. Um zu verstehen, warum die Suche nach Hörfassungen manchmal Lücken hat, habe ich mir 2026 genauer angesehen, wie die Sender ihre barrierefreien Fassungen kennzeichnen und wie diese Angaben in die Filmliste kommen, auf der MediathekViewWeb und damit auch dieser Skill aufbauen. Das Bild ist über Jahre gewachsen, und jeder Sender macht es anders.

Ob ein Film eine Hörfassung hat, steht als Wort im Titel, nicht als Eigenschaft. Mal „Hörfassung“, mal „Audiodeskription“, mal „AD“ in Klammern, mal nur in der Beschreibung. Untertitel führt die Filmliste als eigenes Feld, die Hörfassung nicht. Oft schreibt den Zusatz nicht einmal der Sender, sondern das Programm, das die Mediatheken ausliest: Die ARD nennt eine Folge „Donuts“, in der Liste heißt sie „Donuts (Audiodeskription)“. Eine Suche nach Wörtern muss alle diese Schreibweisen kennen, und jede neue, die auftaucht, fehlt ihr.

Dieselbe Sendung steht mehrfach in der Liste, und nur ein Eintrag weiß von der Hörfassung. Eine Folge der „Rentnercops“ steht einmal als Folge 3 unter ARD und einmal als Folge 43 unter WDR, unter derselben Adresse beim Sender. Nur der zweite Eintrag trägt den Hinweis. Wer unter ARD sucht, findet die Hörfassung nicht, obwohl es sie gibt. Die ARD-Mediathek gibt einer Hörfassung sogar eine eigene Adresse mit dem Zusatz „/audiodeskription“; andere Sender tun das nicht.

Ein fehlender Hinweis ist kein Nein. Die Filmliste kann nicht sagen „diese Sendung hat keine Hörfassung“. Sie kann nur schweigen, und Schweigen heißt entweder „nein“ oder „niemand hat nachgesehen“. Für den, der sucht, ist das ein Unterschied.

Was es sonst noch gibt, ist unsichtbar. Wann ein Film aus der Mediathek verschwindet, steht nicht in der Liste. Eine zweite Tonspur, etwa „Klare Sprache“ (dieselben Worte, aber die Sprache tritt aus der Musik hervor), ist am Titel nicht zu erkennen. Und bei ARTE gibt es eine Hörfassung manchmal nur auf Französisch, obwohl der Film im deutschen Kanal steht.

Die Sender selbst wissen es besser. Fragt man ihre eigenen Schnittstellen, antworten sie mit Ja oder Nein, mit den einzelnen Tonspuren und mit dem Ablaufdatum. Aber jeder Sender hat seine eigene Schnittstelle, mit eigenen Begriffen, keine davon ist für die Öffentlichkeit dokumentiert, und wer sie nutzt, muss jede Antwort einzeln erfragen.

Der Skill holt aus den vorhandenen Daten heraus, was geht: Er sucht alle Schreibweisen gleichzeitig und blendet Doppeltes aus. Verlässlich wird es damit nicht.

Der Medienstaatsvertrag verpflichtet die Sender, barrierefreie Angebote zu machen, und sie tun das: Es gibt viele Hörfassungen und Sendungen in Gebärdensprache. Was fehlt, ist eine offene, dokumentierte Schnittstelle, über die sich diese Fassungen finden lassen, einheitlich für alle Sender, mit einem echten Ja, einem echten Nein und einem Ablaufdatum. Mit ihr wäre eine Anwendung wie diese einfacher zu bauen, und sie wäre besser: „Zeige mir alle Hörfilme von heute“ könnte dann einfach funktionieren, für jeden Sprachassistenten, jede App und jedes Mediacenter. Das wäre ein großer Schritt für viele Menschen.

Was das kostet und was nicht

Hosting und Domains zahle ich selbst. Einnahmen gab es einmal ein paar Euro, die Amazon ungefragt aus seinem inzwischen eingestellten Prämienprogramm für Skill-Entwickler überwiesen hat. Sonst nichts, und so bleibt es: keine Werbung, kein Abo, kein Konto, und die Daten der Nutzerinnen und Nutzer werden nicht ausgewertet und nicht weitergegeben.

Wer das baut

Ich bin Frank Börncke, freiberuflicher Informatiker. Ich habe Informatik und Computerlinguistik studiert und baue Sprachanwendungen, seit es Alexa gibt. Daneben gibt es viele Projekte aus Neugier, dieser Skill ist eines davon, das geblieben ist.

Rückmeldungen

Ich freue mich über jede Rückmeldung und über konstruktive Kritik, besonders von Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind. Ihre Hinweise haben diesen Skill von Anfang an besser gemacht. Die Kontaktdaten stehen im Impressum.